“Komm, wir spielen Gott!” oder wie ich für mein Essen tötete.

(Ein sehr langer Text, als Erinnerung für mich, und für den Fall, dass doch wer neugierig ist) <UPDATE>Eine Lokalzeitung, der Yakima Herald, hat mich für einen kurzen Artikel interviewt und mittlerweile ist der kurze Bericht mit 2 Zitaten von mir online. </UPDATE> Wiesu denn blus? Vor einigen Jahren, ich meine so 2009 oder 2010, begann ich mich mit dem, was ich so esse zu beschäftigen. Ich kaufte so viel “Bio” wie ich mir eben leisten konnte und 2011 oder 2012 hörte ich dann auf Fleisch zu essen. Ich aß ab und an noch Fisch, aber ich wollte mich an dem für mich unwürdigen Umgang mit Tieren nicht beteiligen. Ich mochte den Geschmack von Fleisch dennoch sehr und bin 1–2x im Jahr dann zu Feiertagen zu meinem örtlichen Bioladen gestiefelt und habe dort Fleisch von einem Metzger, der seine wilden Rinder erjagt (kein Witz), gekauft. Alles andere, also Gemüse, Milchprodukte, usw. gab es so sehr bio wie möglich in meiner wöchentlichen Demeter/Bioland/Bio-Kiste. Manches dann aus finanziellen Gründen halt doch nur in “supermarktbio”. Ich dachte darüber nach, den Angelschein zu machen (was in Baden-Württemberg nicht ganz einfach ist, ) und habe mich informiert, was mensch den so tun muss, um in Deutschland jagen zu können: es ist nicht einfach, nicht gerade billig und letztendlich habe ich das dann nicht weiter verfolgt. Schon damals fand ich mich sehr inkonsequent und irgendwann, im Sommer 2015, hab ich dann wieder angefangen regelmäßiger Fleisch zu essen. Losgelassen hat mich das Thema nie. Mehr oder minder konsequent versuche ich, bewusst zu konsumieren, besonders beim Fleisch. Ich finde den Gedanken, mir meinen Fleischkonsum zu erarbeiten – das auf Milchprodukte und Gemüse auszudehnen verbaut mir meine kapitalistische Faulheit –, also mir meinen Braten oder meine Wurst zu erjagen – ziemlich gut. Ich habe dann irgendwann – fastforward zu dem Umzug in die USA – wieder mehr über das Jagen, nachgedacht. Hier im pazifischen Nordwesten hat praktisch jede_r, die_der hier aufgewachsen ist, schon nach Krabben gefischt, geangelt, nach wilden Austern und Muscheln gesucht. Mich fasziniert das. Und so kam dann eines zum anderen, ich wollte sowas auch gerne tun. Um zu sehen, ob ich das überhaupt kann, um zu sehen, ob ich mir mit Gewalt zu einem Sonntagsessen verhelfen kann. Als ich dann im Juni mit meinem Schwiegervater das erste Mal Hochseeangeln war, war das auch wieder ein Schubser in diese Richtung. Der Weg auf’s Schlachtfeld Nach dem Hochseeangeln – wir haben zu zweit insgesamt 14 Barsche und 2 Lengdorsche erlegt und bekamen noch 5 Dungenoness Crabs (große, pazifische Taschenkrebse) – beschäftigte ich mich mit dem Thema “Töten für Essen” wieder mehr. Ich lernte Menschen kennen, die seit ihrer Kindheit jagen. Corinna und ich machten einen Anfängerkurs für das Schießen mit Schrotflinten, redeten mit Menschen, die ganz über Waffen reden, als wäre es etwas Alltägliches (ein Thema, dass ich hier nur anreisse und über das ich seitenweise schreiben könnte). Jedenfalls: ich wollte so wirklich gerne jagen gehen. Dazu muss man hier einen Jagdschein machen, was mit einem Onlinekurs und einem Tag[…]

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Never again.

I listened to the new eposiode of the „Pod Save the World“ podcast today, and I would recommend everyone listen to it (link below). The interviewee, Dr. Karen Donfried, mentions that the US and the press focused of Angela Merkel‘s re-election and does not fully understand (I‘m paraphrasing) why the election of the AFD into the Bundestag is such an unthinkable thing to many (most?) Germans. Today, I read an article (thx to Silke for sharing!) that features the experience of a man, now 78 years old, and what he witnessed at 11 years old. The full text is very long, and you can translate it through your favorite online tool. The following paragraph (translation by me) is what struck me the most. Bear in mind that the AFD and it‘s members of parliament *shudder* talk about HUNTING DOWN people/politicians/… and TO MAKE SURE GERMANY IS PROUD OF THE ACHIEVEMENTS BY THE WEHRMACHT: This is what happend after Hitler was dead, in the city of Schwerin: „The soldiers had bound the woman‘s arms on her back, she had a cartboard sign [strapped?] to her chest. It had large, red, printed letters on it that read: „This is what a German woman and mother said: Thank god, the Führer is dead!“ They brought her to the lamppost. Her head had sunk onto her chest, her grey, straggly hair hung into her face. She raised her head once, shook her hair out ofnher face, trying to get a better orientation. Her face was full with her blood, she must have been tortured brutally. She wore a reddish brown, small sqared dress, brown socks and brown shoes with half-sized [meaning tiny] heels. Because we were so close, we were able to hear her sobbs.“ The story goes on, and they hang her right there (it‘s very cruel and senseless and hard to grasp). There are many, many more stories like this. Just imagine a political party, in a country with Germany‘s legacy and experiences, using Nazi rethoric to threaten their opponents. I wish the country would unite in building national identity around „Never again!“ instead of „us versus them“. Never again! Love, Benjamin The source for the text is: https://www.svz.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/zeitzeuge-erinnert-an-grausamen-nazi-mord-id4017316.html This is the episode of Pod Save the world: https://art19.com/shows/pod-save-the-world/episodes/683f1ab0-6e28-47f3-a5d8-3cc6fb4d5516/embed?theme=dark-blue

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Werte und Wahlmöglichkeiten.

Weil ja jetzt am Sonntag Bundestagswahl ist, sehe ich mich genötigt doch mal 1-2 Sätze dazu zu sagen (ich habe per Briefwahl die 💚 gewählt). Gerade laß ich einen sehr guten Blogpost von Marcel Wichmann(Uarrr) zu dem Thema, wie man eine Wahlentscheidung treffen kann. Ich hatte zuerst etwas Probleme mich zu entscheiden, und Nichtwählen ist als Expat ja auch echt einfach – es war zumindest ein wenig Arbeit mich zur Wahl anzumelden. Mir half einfach mal darüber nachzudenken, welche Partei mit meinen Grundwerten übereinstimmt. Ich meine damit nicht einzelne Personen oder das Wahlprogramm, sondern welche Tendenzen in der deutschen Politik ich unterstützen möchte. Die Wahl wurde dadurch für mich ziemlich einfach. Meine Grundwerte, die mir bei der Wahl dieses Jahr wichtig waren, sind: – Gleichberechtigung für alle Menschen und der Schutz von Minderheiten, sowie der Einsatz zur Beseitigung von Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten – Antifaschismus – Nachhaltige Energie und Umweltpolitik – Pro-EU Haltung – Digitale Kompetenz – Offener Umgang mit Fehlern der Partei aus der Vergangenheit Liebe Nicht-Wähler*innen: – Bedenkt, dass es zwar Wahlrecht heißt, es allerdings ein Privileg ist, dass ihr dieses Recht habt. In den USA (nur um mal das Beispiel vor meiner Haustüre zu nennen), kann man das Wahlrecht verlieren. (Dazu schreibe ich gerne mehr, falls gewünscht) – Historisch gesehen (und leider hat die Geschichte zu oft Recht) macht ihr euch zum Steigbügelhalter des Extremismus und wenn ich mir die Prognose für die AFD so ansehe, dann wird sich diese Prophezeiung wohl erfüllen. – Ich kann verstehen, dass ihr mit dem bestehenden politischen System in Deutschland recht unzufrieden seid. Ich bin das bisweilen auch. Bisher haben wir als Menschheit allerdings nichts besseres, stabileres und friedensstiftendes erfunden. Totalitäre Strukturen, Monarchien, Kommunismus, Faschismus, Anarchie, … haben sich leider alle als fehlerhaft entpuppt – die wurden doch tatsächlich in der Praxis erprobt -, also lasst uns mit der parlamentarischen Demokratie weiterarbeiten und diese verbessern. Wir wollen ja auch nicht unsere BMWs oder Porsches durch etwas komplett Neues, Undurchdachtes ersetzen, dass vor 20 Jahren nur Unfälle verursacht hat. An alle Protestwähler: – okay, ihr wollt protestieren. Gegen DAS SYSTEM, die SYSTEMPARTEIEN,… hab ich verstanden und darüber lässt sich trefflich diskutieren. Aber wählt doch dann bitte eine „Protestpartei“, die mit euren Werten übereinstimmt. Ich hab alleine 2 Alternativen gefunden, die mit meinen Werten gut klarkommen. Cheerio! Benny PS: Den Blogpost von Uarrr findet ihr hier. PPS: Da ist ein grünes Herz in dem Post. Ich habe also nicht die FDP gewählt! Danke UARRR 😛

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Zählen

Was zählt und was zähle ich? Ich zähle Tage: Tage bis zum Urlaub, Tage bis es wieder mit der Arbeit losgeht. Tage, bis das Feature X fertig sein muss. Ich zähle Stunden. Stunden bis der Arbeitstag vorüber ist. Stunden, bis der Kollegen auf der anderen Seite des Globus aufwachen. Stunden, die ich als Überstunden leiste. Stunden, die Menschen mit mir verbringen. Ich zähle Minuten, bis der Bus kommt, bis … Was wirklich zählt ist der Moment, und wie ich ihn lebe. Manchmal vergesse ich das. Dann frisst mich das Tage-, Wochen-, Stundenzählen auf. Wirklich zählt, wie ich bin und wer ich bin. Ich möchte Positivität ausstrahlen, Räume wärmer machen, Menschen zum lachen bringen oder zumindest ein wenig ihre Dunkelheit oder ihren Stress mildern, ihren Arbeitstag schöner oder produktiver machen, machen, dass es den Menschen um mich herum gut geht. Es wäre illusorisch zu glauben, dies würde immer gelingen. Manchmal liegt das schlicht nicht innerhalb meiner Möglichkeiten, manchmal trage ich bewusst oder unbewusst zu Stress oder Kummer anderer bei – sicherlich menschlich. Aber in solch dunklen Zeiten wie denen, in denen wir leben, würden  manche doch so altmodischen Werte und das Leben eben jener anderen Menschen helfen. Ich sah gestern meinen Lieblingsfilm, Forrest Gump. Und ich glaube ich mag ihn, weil er ein Film über Menschlichkeit ist. Über Freundschaft, Liebe, Familie, Offenheit, Hilfsbereitschaft und Rechtschaffenheit. Ich denke, dass ich mehr diese Dinge zählen und auf sie zählen sollte. In jedem Bereich meines Lebens. Und weniger Stunden oder Tage zählen, denn diese gehen doch viel zu oft, zu schnell vorbei.

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In memory of when I gave a fuck

Corinna besitzt eine Umhängetasche mit dem Spruch “In memory of when I gave a fuck” (Diese hier von Killstar, falls das wen interessiert). Viele Menschen lachen darüber, Menschen im Verkauf hier lieben die Tasche, und als wir kürzlich bei einem Eishockeyspiel waren, mussten wir das Wort “fuck” abkleben. Oh, Amerika. Aber darum soll es jetzt nicht gehen. Ich mag ein wenig darüber schreiben, wer man ist und wie weit man andere Menschen in sein Leben reinreden lässt. Wieso? Kürzlich fragte mich jemand auf der Arbeit, ob es denn mit meiner blauen Haarfarbe, meinen Piercings, oder meinen Tätowierungen “Probleme” geben würde und wie Microsoft das so sieht. Die Antwort wie Microsoft das sieht ist einfach: es ist kein Thema. Außerdem ist das Thema “work-life balance” ein großes Thema, ich denke darüber gerne nach, und hier in Seattle ist das gerade bei Mitarbeitern von Amazon ein großes Thema. Ich habe mit Kollegen manchmal Gespräche darüber, und gerade jetzt, so kurz vor Microsofts //build-Konferenz ist bei uns im Team auch mehr los als sonst – ich würde immer noch sagen, dass wir eine gute Work-Life-Balance haben, auch jetzt, wo viel los ist. Im Februar habe ich vor einem Meetup hier in Seattle über “Core Values for Mobile Developer” geredet, ein Thema, dass mich schwer beschäftigt und interessiert. Wegen Trump, weil mir Gemeinschaft, “Community”, wichtig ist… Bei meinen Überlegungen – ” was stinkt hier denn so, denkt Benny etwa wieder?!” – stellte ich ein paar Dinge fest. Die Art von Dingen, die eigentlich völlig auf der Hand liegen, denen man sich aber nicht unbedingt bewusst ist. In diesem fall die Tatsache, dass ich bestimmte Dinge nicht mehr beweisen muss. Ich bin (schon) etwas bzw. wer. Ich habe mittlerweile 9 Jahre als Softwareentwickler (ich zähle meine Zeit als DH-Student einfach mal dazu, war ja in Projekten dabei) hinter mir und 33 Jahre um die Sonne gedreht, usw.. Bestimmte Dinge mag ich einfach nicht mehr Beweisen müssen. Zum Beispiel ob meine Haarfarbe, meine Tattoos, meine Piercings und die Farbe meiner Schuhe etwas über meine Arbeit aussagen. Ich muss nicht jede Woche 50-60 Stunden arbeiten, um zu beweisen, dass ich motiviert, leidenschaftlich und hinter dem Produkt stehe. Klar würde ich für einen Kundentermin wenn erforderlich einen Anzug tragen, oder vor einer wichtigen Konferenz 2-3 Wochen Überstunden schieben. Mache ich auch. Muss man mir nicht mehr erklären. Sollte mir jemand vorschreiben wollen, welche Haarfarbe ich zu tragen habe, ich wäre weg. Wäre es normal, jede Woche 60 Stunden pro Woche arbeiten zu müssen, ich würde mich nach einem neuen Job umsehen, oder zumindest mit meinem Vorgesetzten das Thema ansprechen. Letzten Endes kommt es darauf an, das Mensch “jemand” ist, und, dass man sich diesen Menschen nicht wegnehmen lässt. Ich denke, dass Arbeitgeber genau daran auch interessiert sein wollen oder sollten, Menschen mit Charakter, Menschen, die wer sind. Menschen, die ohne Arbeit jemand sind, weil sie schon “fertig” sind, ohne ihren Job. Letzteres ist ganz schön schwierig. Ich war schon an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich nichts mehr war, außer meiner Arbeit.[…]

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Abgründe mit Neil.

Zu Weihnachten bekam ich letztes Jahr etwas, das ich mir schon sehr lange gewünscht habe. Neil Gaiman ist mein Lieblingsautor und ich wollte schon immer mal gerne auf eine seiner Lesungen, die gefühlt nie stattfinden, gehen. Letzten Sonntag war der Mann der wundervollen Bücher in Seattle, und Corinna schenkte mir dafür letztes Jahr zu Weihnachten Karten. Es war ein wundervoller Abend, voller Lachen, Romantik, zu schnell getrunkenem Bier (weil man das Bier nicht in die Oper nehmen durfte, was nicht nur mich sichtlich genervt hat) und Abgründe. Diese waren nicht nur literarischer Natur. Unsere Tickets waren im 3. Rang, sehr sehr sehr weit oben, in der ersten Reihe, man konnte wundervoll sehen und hören. Allerdings ging der Weg zu unseren Plätzen direkt an der sehr, sehr niedrigen Brüstung entlang. Auf der einen Seite, Menschen, die aufstehen mussten, damit man sich vorbeidrücken konnte, auf der anderen Seite, direkt in meinen Kniekehlen, eine ca 70cm hohe “Brüstung”. Ich sah mich mehr als einmal runterfallen. Ich hätte das nicht mal in Deutschland so erwartet, im ach so sicheren Amerika schon zweimal nicht. Ich wollte gar nicht mehr aufstehen. Nicht mal Cori, die sonst alles, was hoch und luftig ist liebt, war das geheuer. Brrrr. Dennoch, ein wirklich wundervoller Abend, und als kleiner Teaser für alle, die nicht zu Neil Gaiman auf eine Lesung gehen können, hier mal eine der Geschichten, die er vorgelesen hat. “October” aus “A Calendar of Tales”. Das ganze gibt es ganz legal und offiziell zum Runterladen. Die Inspiration für die Geschichte ist folgende (wusste ich nicht, ist ganz wundervoll): Neil Gaiman fragte auf Twitter: “Welche mythische Figur würdet ihr gerne im Oktober treffen? (Und wieso?)” @elainelowe antwortete: “Einen Djon. Nicht, um einen Wunsch erfüllt zu bekommen, sondern um den besten Ratschlag zu bekommen, wie man mit dem, was man hat, glücklich wird.” “That feels good,” I said, and I stretched my neck to get out the last of the cramp. It didn’t just feel good, it felt great, actually. I’d been squashed up inside that lamp for so long. You start to think that nobody’s ever going to rub it again. “You’re a genie,” said the young lady with the polishing-cloth in her hand. “I am. You’re a smart girl, toots. What gave me away?” “The appearing in a puff of smoke,” she said. “And you look like a genie. You’ve got the turban and the pointy shoes. I folded my arms and blinked. Now I was wearing blue jeans, grey sneakers, and a faded grey sweater: the male uniform of this time and this place. I raised a hand to my forehead, and I bowed deeply. “I am the genie of the lamp,” I told her. “Rejoice, O fortunate one. I have it in my power to grant you three wishes. And don’t try the ‘I wish for more wishes’ thing – I won’t play and you’ll lose a wish. Right. Go for it.” I folded my arms again. “No,” she said. “I mean thanks and all that,[…]

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Laufen.

Der Regen macht gerade eine Pause. Die ungefähr 4. Pause heute. Die letzte war fast 2 Stunden lang, die Kürzeste war 10 Minuten, in denen es mal nicht aus Kübeln geschüttet hat. Ich habe mir vorgenommen heute Laufen zu gehen, im September will ich meinen ersten Halbmarathon laufen. Als Motivation und weil ich das Gefühl, weite Strecken ohne irgend ein Hilfsmittel hinter mich bringen zu können, mag. Ich laufe seit Jahresbeginn 2 Mal pro Woche, davor mehr so 1 Mal pro Woche, manchmal 2 Mal. Ich habe mit 5km angefangen und war danach immer Plat. Mittlerweile kann ich 8-10km laufen ohne mich danach schrecklich zu fühlen. Ich laufe mit etwa 10km/h, also ganz okay, so vom Tempo her. Heute laufe ich weiter, 15-16km will ich laufen, zwei Drittel des Halbmarathons. Es ist wolkig und trocken als ich loslaufe, auf halber Strecke, bei den “Ballard Locks”, der Schleuse zwischen Puget Sound und Lake Union, fängt es zu nieseln an, kurz darauf schüttet es wie aus Kübeln. Ich renne weiter und bei KM 15 halte ich an um Pho, vietnamesische Nudelsuppe, zu kaufen, danach renne ich nochmal knapp einen Kilometer nach Hause. Ich muss daran denken, dass “Laufen” einem so ein paar Dinge vor Augen führt, die sich gut auf das gesamte Leben übertragen lassen. Egal wie langsam du bist, wenn du gleichmäßig langsam vorwärts kommst, kommst du am Ziel an. Egal wie langsam du bist, wenn du gleichmäßig langsam vorwärts kommst, kommst du weiter. Mit Üben macht man schnell große Fortschritte. Egal wie steil und schwer die Strecke ist, mit langsamem, gleichmäßigem Tempo lässt sich jede Schwierigkeit bezwingen. Immer, wenn man denkt, man kann nicht mehr, geht es eben doch. Läufer sind nie alleine. Es gibt immer andere Läufer, man nickt sich zu, ist freundlich, und wenn was ist, hilft man sich. Hör auf deinen Körper, dann läufst du länger und gesünder. Gleichmäßiges Atmen ist die halbe Miete. Aufrecht bleiben, die Augen nach vorn richten, das Ziel vor Augen haben, helfen ungemein. Nicht jeder Tag ist perfekt und kein Tag ist wie der andere. Enjoy the ride!

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Happy Birthday!

Mein Blog wird diesen Monat 13 (!) Jahre alt. Wow. Was ich hier alles festgehalten habe, wie viel passiert ist, Umzüge, Zivildienst, Beziehungen, Gefühle, Politik, Technik, alles hab ich hier drin abgeladen, festgehalten, ausgehalten. Danke, liebes Blog! Und allen, die hier ab und an reinschauen oder meinen RSS-Feed abonniert haben: vielen Dank für’s stille mitlesen. =) Auf weitere 13 Jahre.

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Frischer Wind

Es ist halb zehn am Morgen und ich laufe etwas schneller als ich gerne hätte die 400 Meter zum Sammelpunkt des Shuttlebusses, der mich die 21 Kilometer zur Arbeit bringt. Etwas ist anders heute als in den letzten Tagen. Zuerst denke ich, dass es daran liegt, dass es ein paar Grad wärmer ist als die letzten 3–4 Wochen. Das erste Mal deutlich über 0 Grad. Ich hetze – der Aufzug in’s Erdgeschoss brauchte 3 Minuten um seine Türen für mich zu öffnen, eine Ewigkeit bei meiner knappen Zeitplanng morgens – über die 3rd Avenue, dann blicke ich auf: da ist es, das Wasser, einer der Endzipfel des Puget Sound. Er ist grau wie der Himmel, ich kann eine Fähre sehen. Ich schließe die Augen, denn ich muss an der Kreuzung eh warten, der Bus hier wartet schon ewig darauf, dass die Menschen vor mir den Überweg frei machen. Ich atme tief ein. Stickige Luft findet man ist Seattle so gut wie nie, dafür weht immer ein wenig Wind, das Meer ist nah. Stuttgarts Feinstaubwerte findet man hier nicht mal direkt an einer Hauptverkehrsstraße bei 30 Grad zwischen den Hochhäusern in Downtown. Doch die Luft heute ist besonders frisch, klar, und man kann das Meer riechen. Selbiges kann man verdammt selten riechen, dafür, dass das Salzwasser nicht mal einen Kilometer Luftlinie entfernt ist. Ich genieße die frische Luft, öffne die Augen und setze meinen Weg zum Bus etwas entspannter fort. Ich bin ja keiner dieser Menschen, die sich einmal ein Nest bauen und dann bloß keine Veränderung wollen. Ich habe gerne ein Zuhause und Orte zum Wohlfühlen, ein Leben, das mir gefällt. Ich kann verstehen, dass Menschen wenig oder keine Veränderung wollen. Ich kann verstehen, dass Menschen sich nicht vorstellen können weit weg von ihrer “Heimat” zu leben. Ich habe ja selbst mein komplettes Leben in einem 60-Kilometer-Radius um Stuttgart herum gelebt. Das tat ich, weil es mir da gefallen hat und noch immer gefällt. Einer der Gründe für den Umzug war aber auch, dass es eine schöne Gelegenheit war mal woanders zu leben. Wäre davor eine Türe nach Berlin, London, Paris oder Oslo aufgegangen, gut möglich, dass ich durch sie hindurch gegangen wäre. Bei mir war es eben dann 2015 Seattle. Im Kleinen kann ich aber auch nicht gut an einem Status Quo festhalten. Ich bin nicht der Mensch, der sagt: “so, ich habe jetzt genug Menschen kennengelernt”. Ich kann nicht sagen: “so, ich bleibe in meiner Freizeit immer nur in meinen eigenen vier Wänden, ich lebe in meiner eigenen kleinen Welt!”. Ich muss raus. Ich brauche die frische Luft. Das ist auch so eine Sache, die ich aus meiner Depri-Zeit, aus meinem schwarzen Hund gelernt habe. Ohne die frische Luft, ohne Menschen, Natur, Kultur und ErLEBEN gehe ich kaputt. Ich brauche sie so sehr zum Leben, die frische Luft.

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2016 – was für ein Jahr?!

Januar Das Jahr beginnt in der neuen Wohnung, mit neuen Freunden. Seattle fühlt sich so richtig als neues Zuhause an. Auch der Mensch, der versucht unser Auto zu knacken kann daran nix ändern. Das fühlt sich gut an. Februar Ich sitze das erste Mal im “Oktopuss” und lese “Always at home, forever at sea”. Wir fahren das erste Mal nach Kanada, sehen Amanda Palmer live. Oh, und wir raven durch die Nacht mit Zylinder und Tütü. März In den Bergen machen wir Langlauf und Cori steht das 1. Mal auf Skiern. Und ich kaufe mir mein Fahrrad. Mittlerweile habe ich das auch schon ganz gut benutzt. Wie haben ein Gästebett, die Kirschen blühen und wir bekommen Besuch von Ulf aus Deutschland. Corinna und ich hatten unseren 1. Jahrestag. Was für eine Frau.

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