Tübingen

Jedes Mal, wenn ich in Tübingen bin, meistens mit Nina oder auf dem Weg zu ihr oder dem Psychomann, muss ich natürlich an die Zeit „früher“ denken. Immerhin habe ich fast 4 Jahre in Tübingen studiert. Damit verknüpfe ich einige schöne, und auch einige doofe Erinnerungen. Gerade die negativste von allen, das Ende meines Studiums dort, war präsenter als die anderen Erinnerungen. Was ziemlich doof ist. Immerhin habe ich dort Freunde kennengelernt, die ich zum Teil immer noch habe. Zu manchen habe ich natürlich auch den Kontakt verloren, aber zu einigen auch nicht. Außerdem habe ich dort viel gelernt, gerade in der Anglistik. Ich möchte die Zeit dort nicht missen, war so doch unendlich intensiv und auch wichtig. Die Zeiten, in denen in der Cafete 20 Gruftis zusammengesessen sind werden zwar nicht wieder kommen, aber sie erinnern mich daran, dass ich durchaus dazu in der Lage bin soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Auch wenn das vielleicht doof klingt, ich weiß das manchmal nicht. Das war ganz selbstverständlich für mich, Freunde und Bekannte zu haben. Jetzt ist es das nicht immer. Was Tübingen natürlich auch besonders und schön macht ist, dass ich dort die kleine Frau kennengelernt hab. Naja, nicht so richtig, wir haben uns aber damals im „Saint‘s and Scholar‘s“ das erste Mal getroffen.

Zurück zum eigentlichen Gedanken: Tübingen, Erinnerungen und so. So vor 1,5 Jahren noch waren die negativen Erinnerungen an Tübingen schon ziemlich präsent, wenn ich dort war. So richtig merke ich das jetzt erst im Nachhinein. Irgendwie war ein bisschen immer auch dieses „da sind doofe Dinge passiert, da hast du versagt“-Gefühl dort. Klar, beim Rumknutschen mit Nina auf der Mauer am Neckar hab ich davon nichts gemerkt, aber so irgendwo im Hinterkopf ist dieses Gefühl glaube ich immer ein bisschen in seiner Kiste gegen die Wände gesprungen.

Jetzt, heute, wenn ich in Tübingen auf einer Parkbank am Bahnhof sitze (heißt das dann „Bahnhofsbank“ oder sagt man nur „Bank“? Ich wollte „Bank“ schreiben, aber das hat „ich sitze auf einer Bank“ irgendwie falsch geklungen), da springt das Gefühl nicht mehr gegen die Wände seiner Kiste. Die Kiste steht offen in mir rum, es kann immer raus, wenn es will, und wenn es rauskommt, bekommt es eine Umarmung. Dadurch wird Tübingen wieder zu dem, was es für mich ist, und was immer durch dieses eingesperrte, kleine, ausgegrenzte Gefühl „verdorben“ worden ist: der Ort, an dem ich studiert und viele tolle Leute treffen durfte. Der Ort, an dem ich Nina das erste Mal getroffen, geküsst und berührt habe. Der Ort, an dem ich mit Nina unzählige Male am Neckar gesessen oder in einer Kneipe schöne Momente verbracht habe. Ein ganz wichtiger und schöner Ort. Die Schattenseiten, wenn ich mal den etwas abgegriffenen Begriff benutzen darf, und das Gefühl aus der Kiste gehören dazu, werden aber auch geringer und bedeutungsloser, dass ich sie akzeptiere, zulasse und nicht mehr wie eine Fußfessel mit mir herumtrage. Das, was „früher“ war, sollte man auch mal gut sein lassen und zurücklassen, es ist vorbei. Ich für mich pflege das, was mir hilft und kraft gibt davon, und das, was mich traurig macht, das ist halt da und ich umarme es und knuddle es. Weniger und unwichtiger wird es dann von ganz alleine. Es kann ja auch nichts dafür, dass es so ein einsames, wütendes und enttäuschtes Gefühl ist.

2 thoughts on “Tübingen

  1. Bis auf das, dass der Beitrag irgendwie zweimal da ist…
    😉

    Sehr schön ausgedrückt, ähnliches geht mir bei bestimmten Gelegenheiten oder in allgemein nachdenklichen Momenten auch durch den Kopf. Oder besser das Herz und den Bauch – theoretisch weiß man ja, dass die Vergangenheit eben vergangen ist und man das beste aus dem Jetzt machen sollte, ohne sich von der Vergangenheit alles zu versauen.

    Letztens bin ich da über einen schönen und sehr wahren Spruch gestolpert:

    “In order to succeed and find true happiness, you have to give up all hope for a better past.”
    Robert Holden

    Euch beiden alles Gute für die Zeit der Veränderung!

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