Essen ohne tote Tiere

20120806-DSCF0633Nina und ich, okay bisher mehr Nina als ich, so im Verhältnis 1/3 zu 2/3, beschäftigen und uns schon länger mit dem Thema “was essen wir und so kommt es her”, was zum einen schon seit ich “Geld verdiene” darin mündet, dass wir zu ca. 80% Bioprodukte kaufen und im allgemeinen sehr genau auf die Zutatenliste von bereits verarbeiteten Lebensmitteln und Zutaten schauen.
Das hatte bisher 5 Konsequenzen:

  • ein durchschnittlicher Großeinkauf dauert bei uns 1 1/2 bis 2 Stunden, wenn wir uns nicht stressen und in einem der größeren Supermärkte unterwegs sind.
  • Fertiggerichte sind ziemlich schwierig zu bekommen. Mittlerweile gibt es zwar auch biologisch fertigerzeugtes Essen, aber entweder ist das aus Öko-Sicht eine Mogelpackung, oder es sind ganz üble Zutaten drin. Beispielsweise Palmfett/-öl, oder gehärtete Pflanzenfette, oder oder oder. Letztendlich gibt es relativ wenig Fertiggerichte bei uns.
  • das ganze kostet natürlich Geld, so ungefähr 60% mehr als in “nicht-bio” – mit Schwankungen in beide Richtungen. Das Geld muss man natürlich haben und wenn man es hat, könnte man sich ja herrlich unnütze, aber coole Dinge kaufen. Mache ich dann teilweise einfach nicht (okay, mache ich trotzdem). Letzten endes muss man da halt seine Komfortzone ein wenig verlassen.
  • wir aßen sehr wenig Fleisch, da Biofleisch vom Discounter/Supermarkt letztendlich einfach Schwachsinn ist, vor allem wenn man sich mit dem Thema beschäftigt. Insbesondere wenn man sich mal die Regelungen für das EU-Bio-Siegel, Transportwege, Herkunft des Fleischs, Schlachtung, usw. anschaut.
  • wir haben leider immer noch zu wenige “Standardessen”, da die Auswahl zwar immer besser wird, aber eben doch nicht so ist, dass man jedes Gericht mal eben in Bio kochen kann. Außerdem haben viele vegetarische/vegane Kochbücher aus meiner Sicht einen von zwei Mängeln: die Gerichte sind entweder recht aufwändig und kostenintensiv, oder sie haben eine Grundzutat mit sehr hoher Energiedichte, wie Nudeln, Reis oder Kartoffeln (auch Kürbisse, Couscous, oder Bulgur,…), was angesichts meines Ansinnens bis Juni mind. 5kg abzunehmen auch nicht besonders zuträglich ist. (Kochbuchtipps übrigens gerne an mich!)

So essen Nina und ich also seit etwa 1 Jahr, wir haben uns aber seither weiter mit der Herkunft der tierischen Lebensmittel, insbesondere des Fleischs, beschäftigt. Wie gesagt, wir aßen im Gründe 1-2 mal pro Monat Fleisch, meistens von einer der lokalen, kleinen Metzgereien, die qualitativ hochwertige Dinge produzieren und von dem wir ausgegangen sind, dass es regional ist. Teilweise haben wir uns auch Uria-Fleisch gegönnt (dazu nachher nochmal mehr). Irgendwann fiel Nina beim Metzger auf, dass das Tier ja überhaupt nicht aus der Region kam, das wir da essen wollten. Das Rind stammte aus Franken, wurde in Gärtringen (5km hier um’s Eck) geschlachtet und dann in Ammerbuch beim Metzger verarbeitet. Mal Klartext: das Tier wächst wahrscheinlich ganz gut (ich unterstelle mal was Positives) auf, um dann mehrere hundert Kilometer nach Schwaben transportiert zu werden um dort im “Stall” (wird dort wirklich so genannt, ist ein Betonverschlag) des lokalen Schlachthofs zu stehen. Eine Freundin von mir hat dort 2012 3 Monate Praktikum gemacht (sie ist angehende Tierärztin und die müssen sowas machen) und ich hatte mich auf so Einiges eingestellt (man kennt ja Internetvideos) und naja…
Industrielle Schlachtung halte ich ohnehin für unethisch, anhand der mir geschilderten Vorgehensweisen bei der Verarbeitung der Ware “Tier” kann ich nur sagen: esst Fleisch von dort, aber vielleicht ihr euch das dort mal ansehen. So in wirklich. Dann mal guten Appetit.

Ich habe rein ethisch kein Problem mit dem Töten von Tieren, ich kann mir sogar gut vorstellen selbst mal Hühner zu halten und die auch zu essen, sprich, selbst zu töten. Das wäre dann sicher eine ambivalente Erfahrung, aber ich denke, ich könnte das Huhn dann auch essen. Oder Wild, das eben im Wald herumlief und dann geschossen wurde (kann auch hässlich sein, wenn die/der JägerIn schielt).
Ich werde also doch nicht zum Vegetarier. Aber fast, da ich aus meiner Sicht nur noch 2 Arten von Fleisch essen kann:

  • Geflügel von regionalen Bauernhöfen, die Demeterhöfe sind. Zu Weihnachten gab es Gans, die auf einer Wiese an der Enz bei Vaihingen/Enz aufgewachsen ist. Die Tiere werden dort nicht ewig durch die Gegend gefahren, sondern vor Ort geschlachtet. Also: keine Transporte, keine Massentierhaltung mit Bioüberzug.
  • Uria Fleisch. Im Gründe wild lebende Rinder von der schwäbischen Alb, die auf der Weide betäubt und dort in einer mobilen Schlachtbox geschlachtet werden. Eine tolle Sache, die sich die Menschen dort erst über Jahre erstreiten mussten. Ihr solltet die Website besuchen. Leider gibt es das Fleisch und die Wurst von dort leider nur sehr begrenzt zu kaufen, aber wie man hört, verbreitet sich die Idee inzwischen, seit sie legal ist. Mehr über Uria findet ihr auf deren Website.

In jedem Fall fühlt sich das seit Weihnachten bisher fleischfreie Leben super an. =) Bisher gab es keine Rückfälle, aber wir haben auch noch Uriafleisch und Weihnachtsgans in der Gefriere, falls die Fleischeslust *zwinker* kommt.

Ich hoffe, dass ich hier jetzt nicht zu sehr den moralischen Benny gespielt habe, aber mich beschäftigt das Thema eben. Punkt.

UPDATE: Das Foto oben ist wieder von Nina.

2 thoughts on “Essen ohne tote Tiere

  1. Ja, ist wirklich ein Thema, dass der Beschäftigung bedarf. Leider nicht immer angenehm. Vielleicht überwinde ich mich ja noch und schreibe mal ein paar der Details dazu. Andererseits will ich ja niemanden überreden oder schocken. Das Buch hab ich mir gerade einfach mal bestellt. =))

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