“Komm, wir spielen Gott!” oder wie ich für mein Essen tötete.

(Ein sehr langer Text, als Erinnerung für mich, und für den Fall, dass doch wer neugierig ist) <UPDATE>Eine Lokalzeitung, der Yakima Herald, hat mich für einen kurzen Artikel interviewt und mittlerweile ist der kurze Bericht mit 2 Zitaten von mir online. </UPDATE> Wiesu denn blus? Vor einigen Jahren, ich meine so 2009 oder 2010, begann ich mich mit dem, was ich so esse zu beschäftigen. Ich kaufte so viel “Bio” wie ich mir eben leisten konnte und 2011 oder 2012 hörte ich dann auf Fleisch zu essen. Ich aß ab und an noch Fisch, aber ich wollte mich an dem für mich unwürdigen Umgang mit Tieren nicht beteiligen. Ich mochte den Geschmack von Fleisch dennoch sehr und bin 1–2x im Jahr dann zu Feiertagen zu meinem örtlichen Bioladen gestiefelt und habe dort Fleisch von einem Metzger, der seine wilden Rinder erjagt (kein Witz), gekauft. Alles andere, also Gemüse, Milchprodukte, usw. gab es so sehr bio wie möglich in meiner wöchentlichen Demeter/Bioland/Bio-Kiste. Manches dann aus finanziellen Gründen halt doch nur in “supermarktbio”. Ich dachte darüber nach, den Angelschein zu machen (was in Baden-Württemberg nicht ganz einfach ist, ) und habe mich informiert, was mensch den so tun muss, um in Deutschland jagen zu können: es ist nicht einfach, nicht gerade billig und letztendlich habe ich das dann nicht weiter verfolgt. Schon damals fand ich mich sehr inkonsequent und irgendwann, im Sommer 2015, hab ich dann wieder angefangen regelmäßiger Fleisch zu essen. Losgelassen hat mich das Thema nie. Mehr oder minder konsequent versuche ich, bewusst zu konsumieren, besonders beim Fleisch. Ich finde den Gedanken, mir meinen Fleischkonsum zu erarbeiten – das auf Milchprodukte und Gemüse auszudehnen verbaut mir meine kapitalistische Faulheit –, also mir meinen Braten oder meine Wurst zu erjagen – ziemlich gut. Ich habe dann irgendwann – fastforward zu dem Umzug in die USA – wieder mehr über das Jagen, nachgedacht. Hier im pazifischen Nordwesten hat praktisch jede_r, die_der hier aufgewachsen ist, schon nach Krabben gefischt, geangelt, nach wilden Austern und Muscheln gesucht. Mich fasziniert das. Und so kam dann eines zum anderen, ich wollte sowas auch gerne tun. Um zu sehen, ob ich das überhaupt kann, um zu sehen, ob ich mir mit Gewalt zu einem Sonntagsessen verhelfen kann. Als ich dann im Juni mit meinem Schwiegervater das erste Mal Hochseeangeln war, war das auch wieder ein Schubser in diese Richtung. Der Weg auf’s Schlachtfeld Nach dem Hochseeangeln – wir haben zu zweit insgesamt 14 Barsche und 2 Lengdorsche erlegt und bekamen noch 5 Dungenoness Crabs (große, pazifische Taschenkrebse) – beschäftigte ich mich mit dem Thema “Töten für Essen” wieder mehr. Ich lernte Menschen kennen, die seit ihrer Kindheit jagen. Corinna und ich machten einen Anfängerkurs für das Schießen mit Schrotflinten, redeten mit Menschen, die ganz über Waffen reden, als wäre es etwas Alltägliches (ein Thema, dass ich hier nur anreisse und über das ich seitenweise schreiben könnte). Jedenfalls: ich wollte so wirklich gerne jagen gehen. Dazu muss man hier einen Jagdschein machen, was mit einem Onlinekurs und einem Tag[…]

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