Für mehr Frauen mit 3-tage-Bart und Männern mit Lippenstift

Durch einen Link bei der Mädchenmannschaft bin ich auf einen Blogeintrag bei feministing.org aufmerksam geworden. Erst kurz zum Inhalt: Die Verfasserin macht sich an Hand eines Beispiels (sie schminkt sich im Bad während ihr Freund neben ebenfalls im Badezimmer ist) Gedanken  über “performing gender”, also geschlechtsstereotypisches Rollenverhalten – so würde ich das jetzt einfach mal frei übersetzen. Nachdem mich Nina immer mehr auf Stereotypen, Sexismus und Frauenhass hinweist, fällt mir selbst immer mehr auf, wie sehr auch ich rational natürlich ziemlich bescheuerte Geschlechterstereotype durchziehe. Beispiele gefällig? Es ist morgens, ich stehe um halb sieben auf, gehe ins Bad, putze Zähne, schaue in den Spiegel. Mein unrasiertes Ich schaut mich aus müden Augen an. Ich denke darüber nach, dass ich mich a) dringend rasieren und b) Waschgel benutzen und c) meine Haut eincremen sollte. “Neee, ach so ein 3-Tage-Bart schaut doch cool aus.” denkt sich das faule Benny-Ich. Klar, so ein GEPFLEGTER 3-Tage-Bart kann schon auch mal gut aussehen, Männlich und so. Nina fand das schon mal gut. In diesem Moment bin ich aber nicht einer der “gepflegter 3-Tage-Bart-Typen”, sondern einer der “zu faul sich ein bisschen Mühe mit sich zu geben”-Typen. Doch halt, ich unterwerfe mich nicht dem Zwang immer gepflegt und geschniegelt zu sein. “Also alles im grünen Bereich.”´, echot wieder das Benny-Ich in meinem Kopf. Jetzt kommt aber der nächste, interessante Punkt: Würde Nina das auch so machen? Während ich mein Gesicht mit Waschgel reinige versuche ich mich in sie hineinzudenken. "Never”. Klar gibt es bei Frau Tage mit weniger Schminke im Gesicht, morgens beim Aufwachen und beim Rumgammeln auf der Couch ist Nina auch mal ungeschminkt. Da haben wir’s “auch mal”. Sie macht also voll mit. Unter 40min im Bad ist bei Nina nichts zu machen. Und ich? Ich stehe vielleicht mal Wochenende oder vor einem Date mit Nina eine Stunde im Bad. Je länger ich darüber nachdenke finde ich den geschilderten Aspekt verwerflicher. Wieso gibt es die Stereotype, die einem überall vorgelebt werden und die man selbst, meist ohne es sich bewusst zu sein, lebt. Frau immer gepflegt, Mann Grundpflege plus Ungepflegtheitsfaktor X. Ist es, weil wir Kerle immer nur harte, ungewaschene Cowboys sein müssen und weil Frau nur als Prinzessin toll ist? Wisst ihr was, ihr könnt mich. Schminkflintenmunitionshersteller, Männlichkeitscowboyfaschisten, fickt euch! Ich will Frauen mit 3-Tage-Bart, Männer mit “natural look”-Lippenstift und Concealer. Menschen, die Menschen sind. So wie sie es sich selbst aussuchen. Keine Roboter, die von Plakaten lächeln.