freigänger – Bad Taste (ein GastBeitrag zum Freisein-Blognetzwerk)

Ich esse gerne Fleisch. Ich trinke gerne Milch, esse Eier und halte den Verzehr für etwas natürliches, menschliches. Geht man diese geschmackliche Vorliebe rational an, so muss man ganz klar sagen, dass der Verzehr von tierischen Produkten zwar von Natur aus vorgesehen (unser Gebiss weist uns Menschen als Allesfresser aus), allerdings ist der Genuss von Kuhmilch und Fleisch ziemlich schlecht für unser Klima. Gase aus Kuhmündern und –därmen. Hat man ja schon gelesen. Also wäre es rational gesehen sinnvoll und eine Pflicht, diese Treibhausgase zu reduzieren und zu eliminieren. Hinzu kommt, dass wir auch nur mit weniger tierischen Produkten gesund genug leben. Gesünder für uns wäre, mit weniger, vielleicht sogar vegetarisch zu leben. Ich esse nach wie vor Fleisch. Allerdings reduziert, aus gesundheitlichen, finanziellen und Klimaschutzgründen.

Außerdem esse ich kein Fleisch aus dem Supermarkt mehr. Ich gehe nicht in Fastfood-Restaurants. Ich hole mein Fleisch im Biomarkt, wo es mich das 2 bis 3fache kostet. Weshalb? Ich weiß wie die Tiere gehalten werden. Sie haben keinen Platz zum schlafen und liegen, keinen Platz zum stehen, sehen kein Sonnenlicht, werden als Babies von ihren Müttern getrennt. Ich weiß, dass sie über hunderte Kilometer eingepfercht in LKWs zum Schlachter transportiert werden. Ich weiß, dass ihr Futtermittel gentechnisch verändert wird. Ich weiß, dass sie vor Angst fasst sterben. Sie sind eine Ware, wie eine kleine Schraube. Rücksicht wird nicht genommen.

Das mag dramatisch klingen. Ist es auch. Vielleicht ist es manchen Menschen egal. Mir nicht. Wenn ich einen Burger esse möchte ich, dass das Tier, das wegen mir sterben musste, glücklich war. Oder zumindest so glücklich wie möglich. Tageslicht, soziale Interaktion, Futter, das diesen Begriff verdient. Kein stundenlanger Transport zum Schlachter. Das Tier soll nicht geschlagen, getreten, misshandelt, mit Medikamenten vollgepumpt worden sein.

Das ist für mich ethisch und moralisch ein Muss. Dafür zahle ich Geld, gleich viel wie bei einem guten Metzger. Paradox eigentlich. Ich als Student, der nicht viel Geld zur Verfügung hat, kann sich das leisten, weil ich verzichte. Ich verzichte auf ein halbes Kilo Hackfleisch für 2,-€ im Supermarkt und kaufe lieber alle 2 oder 3 Wochen ein halbes Kilo für 6,-€. Nebenbei lebe ich gesünder. Gleichzeitig zahle ich einen Preis dafür, dass die Aufzucht und Schlachtung des Tieres nach einem Mindestmaß an Humanität und Würde geschieht.

Letzten Endes muss es jeder für sich selbst entscheiden, ob er mit dem Wissen leben kann, dass sein Burger voller Blut und Tränen der Tiere ist, die für seinen Genuss, seinen Luxus gelitten haben. Ich für meinen Teil habe, seit ich mich bewusst für biologisch erzeugtes Fleisch (Bioland oder Demeter, meistens Uria) entschieden habe auch schon eine Hand voll Mal bei McDonalds einen Burger gegessen. Jedes Mal war er dabei, blieb er zurück, der „bad taste“. Uneingeschränkt genossen habe ich meinen Burger seither nie, seit ich weiß, dass ich für 7,-€ statt ein Menü bei McDonalds auch 2 Steaks von glücklichen, angstfreien und wertgeschätzten Kühen kaufen kann.

[update]
Seit dem Verbot eines Greenpeace-Spots, weiß auch eine breitere Öffentlichkeit, dass der leckere Schokoriegel blutig ist, auch ein ganz klarer Fall von „bad taste“ für mich.

Zum FreiSein Geht es hier lang

2 thoughts on “freigänger – Bad Taste (ein GastBeitrag zum Freisein-Blognetzwerk)

  1. dem kann ich mich nur anschließen, so haben wir’s das letzte Jahr auch versucht zu handhaben! Irgendwann war der nächste Schritt naheliegend und es gab zu Hause überhaupt kein Fleisch mehr. Mittlerweile kann man uns glaub ich als Vegetarier bezeichnen, einzig beim sonntäglichen Oma-Mittagessen ess ich noch ab und zu Fleisch, weil mir die Diskussion erstens zu anstrengend (gegen 88 Jahre Halbbildung aus Funk- und Fernsehen kommt man nur schwer an), zweitens und wichtiger, das Gemüse meiner Oma ist einfach immer nur noch Brei und zum Großteil schuld dran, dass ich solange viele Gemüse nicht essen wollte…Eier und Milch bleiben auf unserem Speiseplan aber nur Bio 😉

  2. Wir hatten im Januar einen fleischlosen Monat und seitdem kommt seeeehr viel weniger Fleisch auf den Teller.
    Ich finde es ebenfalls nicht verwerflich an sich, Fleisch zu essen. Aber ich möchte es nicht um jeden Preis und unter den Umständen, die du beschrieben hast. Seitdem fällt mir auch so sehr auf, wie u bedacht eigentlich ein Großteil der Menschen an dieser lebensverachtenden Fleischindustrie mitmacht… Traurig, traurig.

    Ach ja, und der Greenpeace-Spot ist großartig.
    Es gibt auch noch einen krassen zum Thema Tiertransporte:

    Liebe Grüße aus TÜ von Dani

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